Session bei Sascha

Session bei Sascha

Mein Telefon klingelt....Heeey Sascha, ich grüße dich.

 

Der Herr Boese aus Bielefeld hat angerufen und wie es bei ihm so üblich ist, entwickelte sich das Gespräch zu einem stundenlangen Plausch bei dem das Ohr mit dem Telefon eins wird. Das letzte Mal pflegten wir unseren Kontakt dieses Jahr im Februar zur Messe in Berlin. Kennengelernt haben wir uns 2011 auf dem spektakulären Kiesgruben-Chaos in der Nähe von Erfurt, was damals die Erfurter Jungs auf die Beine stellten. Was ne Party! Das war ne richtig geile und heftige Sause mit nem Haufen Spitzenleute aus der Karpfenszene. 

 

Da sich Sascha und ich damals schon auf einer Wellenlänge bewegten und auf Anhieb gut verstanden, war die Begegnung auf Messe umso herzlicher. Ab dem Zeitpunkt waren wir beide daran interessiert, einen guten Kontakt zu pflegen. Es ging schneller als gedacht und es wurde ein Date für ein paar Tage Angeln ausgemacht. 

 

 

Ganz spontan haben Maxi und ich unsere Woche Urlaub für einen Ausflug in die Nähe von Bielefeld geplant. Sascha konnte uns leider nicht die ganzen Tage Gesellschaft leisten, da bei ihm ein schon lange geplanter Trip anstand. Nein, nein, diesmal hatte es nichts mit Angeln zu tun. Er selber spricht von einem Ritual, wo er mit seinen Kollegen und Freunden in den Flieger steigt um am Ballermann einen richtigen Abriss zu starten. So einen Abriss, dass die Bedienung ihn nach fünf Jahren wiederkennt, er dort durch Brüllaktionen seine Stimmt verliert und komplett durchtrainiert ist, um beim nächsten Gelage noch als letzter auf den Beinen zu stehen.....

Aber zurück zur Session, natürlich war er noch zu unserer Ankunft da, zeigte uns den See und fischte gleich noch die erste Nacht mit. Obwohl es kein einfaches Gewässer ist, fing Sascha am nächsten Morgen auf Anhieb einen Fisch, wie sich das gehört, um den Gästen zu zeigen wo der Hammer hängt.

Für Maxi wünschte ich mir das perfekte Urlaubswetter. Sommer, Sonne, Sonnenschein...Doch davon konnten wir leider nur insgesamt vier Tage genießen. Über die Hälfte der Zeit, wurden wir von lästigem Dauerregen geärgert. Dazu kamen noch fünf Nächt in Folge ohne einen einzigen Biss. Zum Glück war Michael, ein guter Freund und Teamkollege von Sascha, für drei Tage am See. Das lockerte die miese Situation auf und machte den Blank mit netten Gesprächen sehr erträglich. Immer wieder beeindruckend, dass man die tollsten Menschen beim Angeln bzw. am Wasser kennenlernt.

Nachdem Michael heimgefahren war und wir wieder allein am Gewässer saßen, habe ich meine Strategie nochmals komplett umgekrempelt. Ich suchte mir in stundenlanger Feinstarbeit neue Stellen an denen ich meine Ruten mal anders ablegen konnte, als die Tage zuvor.

Mitten im See und nicht am Ufer, etwas tiefer und nicht so flach, keinen harten Untergrund sondern sehr sedimenthaltig und weich.

 

An dem Fuß eines steil abfallenden Plateau mit einem Tiefenunterschied von 3,5Meter, legte ich meinen Hakenköder bestückt mit einem 24mm Red Habanero punktgenau an der Kante ab. Eine Handvoll der gleichen Boilies fütterte ich hinterher und oben drauf 2 handflächengroße Ballen Boilieteig.

So wie das Wetter umschlug und von schön auf ungemütlich wechselte, kam auch endlich der langersehnte Biss. Ich hatte es mit einem Kämpfer zu tun, denn der Drill zog sich eine ganze Weile hin. Aufgeregt und zu zweit standen wir am Ufer und konnten es kaum erwarten bis der Fisch im Keschernetz landete. Ich ging ein paar Schritte zurück und Maxi schob das Dreieck gekonnt unter den ersten Karpfen.

Yeeess...schrien wir uns beide und fielen uns in die Arme. Erleichterung machte sich breit und wir waren überglücklich. Auch wenn es kein Riese war, ist das in solchen Momenten eine wahnsinnige Erlösung mit ernst gemeinter Freude. Jetzt konnten wir auch sehen warum es so ein Kraftakt war. Der Fisch war mit einer ziemlich großen Schwanzflosse ausgestattet, die wir noch eine Weile bestaunten. Beim zurücksetzen in sein Element, fing es mittlerweile wieder kräftig an zu regnen, doch das störte mich überhaupt nicht. Ich legte sehr motiviert die Montage am selben Spot ab, in der Hoffnung die Karpfen gefunden zu haben. Kurze Zeit später, im absoluten Starkregen, lief die Rute ein zweites Mal ab. Hektisch verwechselte ich links und rechts beim Anziehen der Watstiefel und meine Regenjacke lies sich auch nicht schließen. Aus meiner Funke ertönte immer noch der Dauerton. Das macht es natürlich nicht besser. 

An der Rute angekommen, konnte es losgehen. Wie gesagt, der Fisch davor hat schon ordentlich Gas gegeben, doch diesmal fehlten mir eindeutig die kurzen nervösen 

Kopfschläge. Ein Karpfen der nach jeden fünf Kurbelumdrehungen am Grund steht als würde er in einem Hindernis hängen, kann kein Kleiner sein. Dennoch bekam ich den Sandsack immer wieder Richtung Oberfläche gepumpt. Kurz vorm Ufer zeigte er sich das erste Mal an der Wasseroberfläche und trotz Dunkelheit und einschlagenden 1Cent großen Wassertropfen erkannte ich, dass es sich um einen ordentlichen Bullen handelte. Maxi zu rufen war zwecklos. Ich bekam nur einen Satz zurück..."Du glaubst doch jetzt nicht ernsthaft das ich bei diesem Wetter vors Zelt komme?!"...und schon schlief sie weiter. Wenn sie nicht da gewesen wäre, hätte ich da auch allein durchgemusst. Mir war kalt und der Regen schlug mir ins Gesicht, doch nach weiteren zehn Minuten gelang es mir, den Fisch in die Maschen des Keschers zu ziehen. 

Durchgeweicht bis auf die Unterhose hing ich Ihn an die Waage. Was für ein Gewicht, Adrenalin sorgte dafür das ich alles schlechte um mich herum komplett ignorierte. Meine Arme und Füße zitterten und die Nadel rauschte in Richtung 20Kilo und flog obendrein noch darüber hinweg. Auf der Matte habe ich erstmal registriert wie lang dieser Karpfen ist und mit seiner grauen Farbe ein unvergessliches Unikat. Das ich Maxi zu so einem Augenblick nicht in Ruhe weiterschlafen ließ, kann ja wohl jeder verstehen. Doch um 03.00 Uhr, mitten in der Nacht kann ich nicht zu viel verlangen. Mit nem Kerl wäre sicher noch ein alkoholisches Getränk aufgegangen, aber egal. Ich zog mir was trockenes an und kuschelte mich wieder in meinen warmen Schlafsack. 

 

Weiterschlafen Fehlanzeige...Ich war noch so aufgedreht, dass ich Stunden brauchte um wieder zur Ruhe zu kommen.

Pünktlich zum Herrentag und noch etwas neben der Spur von seinem Irrentrip, meldete sich Sascha wieder zurück. Als er am Wasser ankam, wollte er natürlich zu erst wissen was bei uns so ging, bevor er startete von seinem Absturz zu berichten. So wie ich angefangen habe ihm davon zu erzählen und er zeitgleich die Bilder auf meiner Cam durchblätterte, fiel er mir schon ins Wort. "Ich glaub das nicht" brummelte er, "ich glaub das einfach nicht" wiederholte er noch ein paar mal und klopfte mir auf die Schulter. "Du hast den zweitgrößten Fisch aus dem See gefangen"!

Ich schlackerte kräftig mit den Ohren und meine Gedankengänge schenkten mir ein Dejavu von der besagten Nacht. Eine Granate aus dem Altbestand. Das ist doch mal ein schönes Gastgeschenk....

Nicht nur Sascha begleitete uns durch die letzen drei Tage. Unser gemeinsamer Freund Hinrich ließ es sich nicht nehmen, die Ossis mal wieder live und in Farbe zu sehen. So verbrachten wir die restliche Zeit gemeinsam am See. Wir hatten alle einiges zu erzählen. Doch die Kirsche auf dem Sahnehäubchen sollte noch folgen. 

Wir hatten tatsächlich das Glück, den Fang des größten Fisches aus diesem See zusammen zu erleben. Was für ein Brett und dann noch kurz unter der 50Pfund Marke.

 

 

ALTOBELLI - einfach IRRE.

Den Fang feierten wir noch bis tief in die Nacht hinein und ließen den unglaublichen Moment mehrfach Revue passieren.

Zur Verabschiedung am letzten Tag, trennten wir uns mit einer besonderen Abmachung. Das wir das Treffen in dieser Konstellation wiederholen ist klar. Doch in Zukunft sehen wir uns in der Region, von dem Fänger des größten Fisches der letzten gemeinsamen Session. Also freu ich mich jetzt schon, meine Montagen im Norden der Republik zu baden.

Nochmal Glückwunsch zu diesem Fisch Herr von Bremen.

Und danach kommt ihr mal schön nach Leipzig, ein paar Gummern ärgern.

 

Allen Lesern wünsche ich genauso viel Glück, Erfolg und vor allem Spaß am Wasser...

 

LG Micha

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