Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt!

Es ist Ende November und bislang konnte ich leider nur wenige „heiße Nächte“ in der - vermeintlich - besten Jahreszeit am Wasser verbringen. Doch jetzt, wo die Temperaturen stetig gen Null fallen, hatte ich endlich für ein paar Tage ein kleines Zeitfenster zum Fischen. Frau und Kind waren anderweitig bestens versorgt, sodass ich meinen anglerischen Pflichten (und Zwängen) in Ruhe nachgehen konnte. Der voraussichtlich letzte Kurztrip in diesem Jahr sollte weniger an einem zerhockten Heimat-Loch stattfinden und so fiel meine Wahl auf einen großen Natursee, den ich zwar bisher nur einmal befischt hatte, der mich allerdings schwer mit seiner unberührter Natur, viel Wasser und ereignisreichen Berichten von Freunden beeindruckt hatte. Zu diesem Zeitpunkt war mir natürlich noch nicht klar, welches letzte Abenteuer da auf mich wartete und die Vorfreude sowie Vorbereitungen schritten von Tag zu Tag mehr voran ...

Morgens noch schnell die letzten Sachen ins Auto geschmissen, ein heißes Instant-Getränk an der Tanke gezogen und schon schoss ich die Autobahn Richtung Wasser entlang. Sonnenschein und „Radio Hamburg“ begleiteten mich voller Motivation und Freude auf der rund einstündigen Autofahrt. Das Boot war mehr oder weniger flott belüftet, beladen und betankt, um zum eigentlichen Spot zu gelangen. Diesen hatte ich mir zuvor grob anhand einer (Tiefen)Karte ausgesucht, genau wollte ich das vor Ort und anhand der herrschenden Bedingungen ausmachen. Apropos Bedingungen, denn diese waren an sich gut: leichter Ostwind mit halblauen Himmel, Luft 7 und Wasser ca. 8 Grad – perfekt wie ich (noch) fand. Und so war für mich der eingangs grob gewählte Platz schnell als „sicher“ gewählt. Eine Bucht, in der der Wind direkt rein flötete und sich zum Ende hin beruhigte. Zudem hatte ich dort von einer Kuppe die Möglichkeit, sowohl in die Bucht als auch in den offenen Seebereich zu fischen. Flexibel und vielversprechend!

Dank des herrlichen Empfangs war das Boot ruckzuck beladen.
Dank des herrlichen Empfangs war das Boot ruckzuck beladen.

In aller Ruhe lud ich das Boot aus, baute Zelt und sonstiges Tackle-Gedöns für die nächsten Tage auf und studierte das Wasser noch einige Minuten vom Land aus, bevor ich mich ins Boot begab, um die Fallen mit wenig Tigernüssen und geboosteten 25er Habaneros zu legen. Die eine landete in Ufernähe im offenen Seebereich, direkt vorm Todholz in rund 2 Meter Wassertiefe. Die andere vergleichbar, nur in der ruhiger gelegenen Bucht. Denn wie ich wusste, ziehen die Fische hier primär auf ihren Fressrouten am Ufer entlang, Temperaturen hin oder her - ich hatte ein gutes Gefühl. Viele fischen im Herbst/Winter lieber auf mind. sechs Meter und tiefer, was ich nicht unbedingt nachvollziehen kann. Ein Grad Temperaturunterschied innerhalb beider genannten Wasserschichten sind meines Erachtens (in dieser Jahreszeit) völlig wurscht, was sich später auch als völlig richtig herausstellen sollte. Zurück im Zelt wollte ich mich erstmal aufwärmen und holte die Gasflasche, um den „Ofen“ anzuschmeißen. „Damn!,“ schrie´ ich innerlich, als mir das Bild meiner im Schuppenregal liegenden Heizung durch den Kopf schoss. Es fiel mir zugegebenermaßen nicht leicht, meine Laune wieder auf ein angemessenes Maß zu bringen, wusste ich doch um die Minusgrade, die in den nächsten Tagen und Nächten aufkommen sollten. Die zuvor geschrottete Echolot-Saugnapfhalterung war entgegen nur Makulatur. Aber gut, flexibel bleiben, abwarten und im wahrsten Sinne des Wortes erstmal Tee trinken – kann ja nur besser werden...

Pustekuchen! Zum Abend hin entwickelte sich der Wind in sturmartige Böen, die mich während der Nacht regelmäßig durch herunterfallende Äste auf und neben mein Zelt wach hielten. Mutter Natur wollte scheinbar einmal mehr zeigen, wer hier die Hosen an hat und das ich nur zu Gast bin. Bis in den Vormittag kauerte ich im Schlafsack, mit der Hoffnung, dass sich der Sturm legt und man zumindest halbwegs genau und vorallem sicher die Ruten neu fahren konnte. Letztendlich, nachdem ich noch einen meiner Hänger unauffindbar im Wasser verabschieden musste, hatte Petrus den längeren Atem und so lagen meine Ruten auch zum zweiten Abend hin „unangefasst“ auf ihren Spots – und ich wieder im Schlafsack. Doch wo Schatten, da auch Licht und so bekam ich zu späterer Stund den ersehnten ersten Lauf. Und das auf genau der Rute, die ich zuvor provisorisch mit einem Birnenblei-Hänger versehen hatte. Glücksbringer? Egal, ruckzuck stand ich auch schon im Wasser und bugsierte den Fisch von den Hindernissen weg. Jede Bewegung klappte routiniert. Von wegen, Arschlecken! Kurz vor dem Kescher stieg der Schuppi natürlich aus und die mit einem Fake-Maiskorn gespickte Tigernuss flog auf mich zu. Jo, läuft bei mir ... Freude, Ärger und Wut kamen zugleich auf, was auch Luke und Manu, die gerade den carpleads Messestand aufbauten, per Nachricht zu spüren bekamen (tut mir nicht Leid, Jungs! :-D). Auch ein Telefonat mit Howie konnte mich vorerst nicht beruhigen. Was willste machen? Irgendein Ventil braucht man doch in solchen Momenten und ein zwei Heiß- und Kaltgetränke später taten darauf ihren restlichen Dienst, um zumindest wieder einen humanen Gemütszustand zu erwirken. Einige Gedankengänge später stellte ich mir den Wecker, um direkt am nächsten Morgen zu packen und mein Glück für die letzten zwei Nächte an einem Gewässer in meiner Nähe zu versuchen. Auch der zweite Run den ich während des Einpackens auf der Bucht-Rute, bespickt mit einen Poppi und Habanero Bollen, bekam, konnte mich von meinem Plan aufzubrechen nicht abbringen. Zudem unterstrichen die immer noch herrschenden eisigen Böen sowie die aufkommenden Minusgrade meine Entscheidung. Nach einiger Zeit gegen Wind und Wellen erreichte ich mit dem Boot das Ufer, packte das Auto und wollte wie geplant schnell in Richtung neuen Ufern aufbrechen. Tja, die Betonung liegt auf schnell und wollte! Ich fuhr meinen vollbeladenen Wagen fest und kam aufgrund des nassen und weichen Bodens einen kleinen Hügel nicht hinauf. Letztendlich schaffte ich es nach geraumer Zeit und xten Manövern mit Hilfe von ein paar Ästen nun doch noch das weiche Ufer mit qualmend durchdrehenden Reifen und einer ordentlich Matschpackung zu verlassen. Nur leider ließ ich auch meine Motivation vor Ort zurück, als ich bei einbrechender Dämmerung daheim ankam. Ich ging nicht direkt in den Schuppen, holte keine Heizung, keine Echolotstange und auch keinen neuen Hänger, sondern begab mich unmittelbar unter die warme Dusche und auf die gemütliche Couch. Natürlich hatte ich mir diesen Tripp völlig anders vorgestellt, doch muss man sich auch eingestehen, das nicht immer alles nach Plan laufen kann und man hin und wieder eine „Niederlage“ akzeptieren muss, ohne seine Gesundheit zu gefährden. Doch irgendwie bereute ich schon am nächsten Tag meine Entscheidung und spüre schon jetzt wieder das Kribbeln in den Fingerspitzen. Vielleicht war es dann doch noch nicht das letzte Abenteuer, denn wie wir wissen: Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt ...

 

VG Hotte

 

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