Die kleinen Momente des Lebens...

Schon seit Tagen streift der kalte Ostwind durch unsere Zeltwände. Dicht stehen sie aneinander, denn der Platz an dieser Böschung bietet uns nicht viel Platz. Doch hier ist es einigermaßen erträglich, schon fast gemütlich. Die Kälte pfeift über uns hinweg, die Sonne… Sonne?! Hier gibt es nur Nebel und dichte Wolken zieren den Himmel. Nachts gehen die Temperaturen sogar locker in den Minusbereich. 

Das hatten wir uns alles anders vorgestellt, Sonne- Wolken- Gemisch und warmer Westwind in angenehmer Stärke war unser Wunsch. Doch nix da, nix gutes Oktoberwetter, nix Fische im Beißrausch, nix goldener Herbst.
Mein Bruder Mattes und ich bissen uns durch, motivierten uns immer wieder. „Jetzt, heute Nacht geht was!“, „Wenn was geht, kann auch ein Digga gehen.“, doch alles nur Wunschvorstellungen. 

Es war hart, wirklich schlauchend, alle 48 Stunden mal ein Hup. Doch wer durchhält, wird irgendwann belohnt. Ich möchte Euch nach dieser kleinen Vorgeschichte von 20 Sekunden unsere 12 tägigen Session erzählen.

Nur kurze/ lange 20 Sekunden.

Es ist schon lange dunkel, nur das flimmernde Licht meiner kleinen Kerze erhellt meinen Schirm. Kälte, Stille, kein Lüftchen ist zu hören, lediglich mein Bruder, der sich erneut im Schlafsack umdreht. Ich entgleite ins Land der Träume. Ein einzelner Ton aus meiner Funkbox lässt mich hochschrecken, warten wir doch schon so lange darauf… Erneut piept es, nun nehme ich auch Regung in Mattes Zelt wahr. Wir fischen Lauf auf Lauf, er ist an der Reihe. Wieder ein einzelner Ton, Mattes schlüpft in die Watstiefel. Ich bleibe liegen, hört es sich doch wieder ganz nach einer dieser nervtötenden Brassen an.

„Brasse Junge, hehe.“, rufe ich mit verschmitztem Lächeln auf den Lippen, glücklich, dass ich liegen bleiben darf. „Och nö…“, kommt als erschöpfte Antwort.

Ich spähe aus dem Schlitz meiner Zelttür, steht da mein Bruder vor den Ruten. Es dauert ein paar Sekunden, dann murmelt er verwirrt: „Hier piept gar keine Rute!“… Im Hintergrund sind immer noch Pieper wahrzunehmen. Ich muss lachen, er starrt weiterhin auf die drei Ruten vor seinen Füßen.
„Junge das ist die Rute am Schilf!“ Kaum war dieser Satz ausgesprochen, verwandelten sich die einzelnen Pieper zu einem stattlichen Fullrun. Ich höre nur, „Oh stimmt!“, während meine Füße in die Wathose gleiten. Die nächsten Minuten vergehen wie im Flug, dem Fisch entgegengerudert, gekämpft, abgeklatscht und wie die Schneekönige gefreut. Denn was da nun in den Maschen des Keschers lag, war ein wunderschöner alter Recke. Das Warten hatte sich gelohnt.

Am nächsten Tag scherzten wir über die Verplantheit und das verdutzte Gesicht, als mein Bro merkte was hier eigentlich gerade abgeht. Es waren lediglich 20 Sekunden, die uns vorkamen wie eine gefühlte Ewigkeit.
So sind es doch manchmal die kleinen Momente, die besonders große Bedeutung für uns haben. 

In diesem Sinne, genießt die Zeit, egal ob kurz oder lang. 

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