- Off-Shore, ein neues Zuhause -

Glaubt man den Zeilen einiger bekannter Philosophen, so findet man Freiheit nur in sich selbst. Kaum einer kann Freiheit treffend beschreiben, doch viele von uns suchen nach ihr. Freiheit scheint häufig situativ und mit Momenten oder einem Gefühl verknüpft. Genau dieses Gefühl wollte ich wieder erleben. Die Fesseln der Vergangenheit loswerden, den inneren Druck, das „Müssen“, das Funktionieren und die selbstauferlegten Ziele. Zu lange hatte ich mich selbst gegeißelt, mir die Chance auf Freiheit genommen.

 

Kennt ihr das nicht auch, man braucht einen Tapetenwechsel... Nicht das ich das zuvor nicht schon einmal gebraucht hätte, generell bin ich wohl ein Mensch der viel Abwechslung braucht, nein aber meine Suche galt etwas anderem. Etwas tieferem! Scale, die Szene, riesen Fische an kleinsten Tümpeln, social Media am Kanal all das hatte ich hinter mir und auch wenn es eine Erfahrung wert war ich spürte keine Reue all dies nicht mehr zu haben. Doch ich spürte eine Sehnsucht, eine Sehnsucht nach dem Gefühl das ich als kleiner Junge jedes Mal erleben durfte, als ich auch nur in die Nähe von Wasser kam. Dieses Gefühl von Aufregung, Anspannung, Adrenalin. Dieses Gefühl des Ungewissen, des mystischen. Mein Vater fragte sich immer, wie kann er beim Angeln so ruhig sitzen wenn er in der Schule immer nur rumzappelt? Ich saß nicht ruhig, soviel ist sicher! Ich war mega nervös! Nervös was kommen würde, mein Kopf raste auch als kleiner Junge schon, was könnte ich besser machen, was ausprobieren? Wo könnten die Fische sein und wie sind sie wohl am besten zu überlisten? Meine Sinne suchten akribisch nach Anzeichen von Fischen und das unentwegt. Ich stand damals unter Strom! Unter Starkstrom!!! Doch es war ein gutes Gefühl, ein Gefühl von Abenteuer, ein Gefühl von Freiheit. Alles andere war weg, die fünf in Mathe, die Tadel meines Vaters oder auch der Streit mit meiner Schwester. Hier war ich für mich, nur ich, die Natur und die Fische, hier konnte ich so sein wie ich bin! 

 

 

Das älter werden, meine eigene Naivität und das verblendet sein vor vermeintlich Erstrebenswertem hatte mich jedoch bereits in den darauffolgenden Jahren diesen inneren Strom verlieren lassen. Nun galt es diesen wiederzufinden. Das dies nicht mit den Wochenendsessions an heimischen Gewässern möglich war wurde mir schnell klar, es brauchte mehr, es brauchte wieder Abenteuer. Richtige Abenteuer! Ich wollte nicht mehr zwischen all den anderen Bivvy`s am See sitzen. Nicht mehr Tür an Tür mit wetteifernden Huntern die alle einen Fisch jagen. Ich wollte Ruhe, Einsamkeit, Natur und Aufregung. Ich wollte Adrenalin und eine Portion Angst, ich wollte wieder das Ungewisse, die Unsicherheit! Aber wie...???

Karpfenangeln vom Boot hatte mich schon immer fasziniert!

Ein Boot, genau das war´s was ich suchte! Ein Boot so groß, das ich ohne Probleme eine Woche darauf leben konnte. Frei ab von anderen Anglern in Seeteilen, die vom Ufer aus nicht befischt werden dürfen. Nur ich, mein Boot, die Natur und die Fische, so mein Plan! Gesagt, getan! Ich informierte mich, fing an zu sparen und schaute mir diverse Modelle an. Im Sommer 2015 stand dann meine Entscheidung fest und ich war stolzer Besitzer eines neuen Bootes. Bereits jetzt fing das Abenteuer an, denn es gab lauter mir unbekannte Aspekte die beim Karpfenangeln vom Boot aus beachtet werden mussten. Ich saugte alles auf und versuchte mich bestmöglich vorzubereiten. Zudem mussten einige weitere Dinge im Segel- und Angelbedarf gekauft und das Boot für meine Zwecke umgerüstet werden. Im Oktober 2015 war es dann endlich soweit mein erster Trip stand bevor. Es sollte an eines der großen Nordfranzösischen Gewässer gehen. Bereits im Alter von 18 Jahren hatten mich diese Gewässer in ihren Bann gezogen und nie wieder losgelassen. Sie verkörpern für mich durch ihre imposante Größe Freiheit pur! Zudem hatte ich diese Gewässer so häufig besucht, dass ich mir sicher sein konnte hier die Fische trotz der Größe schnell zu finden. Mit den Jahren bekommt man einfach ein Gefühl dafür zu welcher Zeit sich die Fische wo aufhalten. 

 

 

Mit Tackle für 10 Tage und ausreichend Futter bewaffnet machte ich mich auf den Weg nach Frankreich. Da war es bereits dieses Gefühl von Unsicherheit und Adrenalin. Zugegeben, das hatte ich häufiger wenn es Richtung Frankreich ging, doch dieses Mal war das Gefühl eher bezogen auf meine erste Trailerfahrt mit dem Auto. Es war doch ein komisches Gefühl mit diesem langen Gefährt. Nach den ersten 100km hatte ich mich dran gewöhnt und war erstaunt wie easy es von Statten ging. Im Morgengrauen kam ich am See an, jetzt war ich heiß, richtig heiß! Und doch war ich mir auch wieder unsicher ob alles klappen würde? Ob eine kleine oder große Katastrophe eintreten würde? Es war tatsächlich wie damals, als ich den Abend bevor mich Dad an den See gefahren hat im Bett lag und versuchte mir auszumalen was kommen würde. Du wolltest diese Gefühle, jetzt hast du sie dachte ich und machte das Boot startklar.   

Es verlief zu meinem Erstaunen alles reibungslos. Ich hatte schnell eine gute Stelle gefunden, mein Boot verankert und fühlte mich pudelwohl auf dem neuen Kahn. Als alles fertig war und die Ruten einsatzbereit auf meinem neuen Bootspod lagen, zögerte ich kurz diese auszubringen. Ich setzte mich seitlich auf die Boots Reling und spürte Zufriedenheit. Ich, die Natur und die Fische, weit und breit nichts anderes zu sehen. Ein wohlig warmes Gefühl kam in mir auf. War das Freiheit?

 

 

Ich beschloss die erste Nacht nur Futter zu verteilen und erst am ersten Morgen die Ruten auszubringen. Bereits in der ersten Nacht hörte ich Fische springen, es stimmte mich positiv. Schlaf jedoch fand ich nur bedingt, ich merkte wie ich mich erst an das leichte Schaukeln gewöhnen musste. Die nächsten Nächte verliefen diesbezüglich besser, wenn auch der Schlaf kaum mehr wurde. Dieses Mal lag es jedoch nicht am Schaukeln des Bootes...

Die Morgen im Nebel waren der Wahnsinn! 

Simple Rigs mit guten Ködern sollten es richten!

Die Fische schienen sich einheitlich was das Fressen anging eher auf die Nachtstunden zu verständigen. Bereits in der zweiten Nacht auf dem See konnte ich 4 Fische bis 21 kg auf die Matte legen. Ich war baff, so gut zu starten hätte ich mir nicht träumen lassen. Ich beschloss über Tag gar nicht mehr zu angeln und dafür über Nacht umso mehr zu füttern. Dies hatte zudem den Vorteil, dass ich ein positives Bild bei einigen der Spinnangler, die immer mal wieder vorbeikamen, hinterließ. Diese konnten im betreffenden Seeteil den ganzen Tag freudig spinnen ohne mir in die Quere zu kommen. Ich wiederum hatte Spaß ihnen zuzuschauen und einige kapitale Zahnfische vor Gesicht zu bekommen. 

Gegen Abend war ich dann wieder heiß, mit grober Kelle wollte ich die Jungs an meinen Spot binden. Was dann passierte war schier unglaublich. Bis morgens um halb acht schaffte ich es nicht alle vier Ruten auszubringen. Zwischenzeitlich lagen mal zwei auf dem Pod und beim rausfahren der dritten Rute hörte ich bereits wieder auf halber Strecke, Piep Piep Piiiiiiiiiiiep... UNGLAUBLICH!!! Bis zum frühen Morgen fing ich 17 Karpfen bis 22,5 kg. Ich war fix und fertig! Ich beschloss um halb acht die Ruten draußen zu lassen und mich schlafen zu legen. An diesem Tag sah ich keinen Spinnangler!

Eine unglaubliche Nacht mit 17 Fischen ließ mich kein Auge zu machen.

Adrenalin hatte ich nun genug erlebt, Zufriedenheit war allgegenwärtig und die Unsicherheit hatte sich gelegt. Doch wie es dann oft so ist, wurde genau diese in mir wieder geweckt. Zunehmend starker Wind kam auf und ließ mich mehr und mehr fürchten, es könnte eine sehr unangenehme Nacht werden. Genau eine solche erlebte ich dann. Bis zwei Uhr nachts versuchte ich das Bootszelt mehr und mehr mit Spanngurten zu befestigen. Das Boot schaukelte beachtlich. Ich hatte mich zuvor ausgiebig mit Windfinder, Bft und dem Lesen von Windkarten beschäftigt, doch es dann zu erleben ist nochmal eine andere Nummer. An Angeln war in dieser Nacht nicht zu denken. Als der Sturm sich beruhigte legte ich mich durchnässt aber zufrieden es überlebt zu haben auf meine Liege und schlief bis mittags. Ich wachte auf und dachte mir ja: Abenteuer ist, wenn sich Angst mit Adrenalin mischt! Ich wollte es, zugegeben nicht so krass wie in dieser Nacht, aber jetzt hatte ich es! Und ich war glücklich, überglücklich! Nicht nur wegen der Fische, wegen dem Gesamtpaket!

Der nächste Morgen, die Ruhe nach dem Sturm.

Ein Gefühl sagte mir der starke Wind der letzten Nacht hatte das Wasser sicher gut durchmischt und die Fische bei dem weichen Sediment zum fressen angeregt. Ich war heiß auf die kommende Nacht. 17 Fische mussten es jetzt nicht unbedingt wieder sein aber drei vier würden mich freuen dachte ich mir. Es sollten fünf werden und was für welche... Eine weitere unglaubliche Nacht mit 23, 24 und sagenhaften 29 kg. Jetzt feierte ich meinen Trip hart! Das hätte ich mir nicht im Traum ausgemalt.

Eigentlich hatte ich zwölf Tage Zeit und ursprünglich zehn anvisiert. Jetzt hatte ich das Gefühl bereits nach fünf Tagen alles erreicht beziehungsweise erlebt zu haben. Wenn eben alles passt, ihr kennt das! Ich beschloss dennoch ein paar Nächte weiter zu fischen und die Natur und meine zurück gewonnene Freiheit auf dem Boot zu genießen. 

 

 

Es riss nicht ab, auch in den weiteren vier Nächten fing ich Fische, mal mehr, mal weniger. Ich fing große und kleine, dicke und dünne, lange und kurze, dunkle und helle. 

Zum Ende waren es 38 Runs in 9 Tagen und ich konnte alle bis auf einen verbuchen. Ich beschloss es an diesem Punkt gut sein zu lassen. Das Futter wurde knapp, der Windfinder zeigte wieder 5 Bft für die kommenden Tage an und irgendwie wollte ich mir auch die Sehnsucht bewahren schon bald an ein neues, großes Gewässer Frankreichs zu starten. Neben den unvergesslichen 9 Tagen hatte ich nun wieder das Gefühl dort draußen warten noch einige neue Abenteuer auf mich. Ein Gefühl das ich zuvor bereits lange verloren hatte. Wenn ihr mich fragt, kann man auch bezüglich seinem Hobby einen Burnout erleben. Bei mir war die Luft raus, dem Angeln vom Ufer aus war ich an meinen heimischen Gewässern genauso überdrüssig wie an den Gewässern Frankreichs. Zugegeben, im Ausland kam meist noch ein wenig Abenteuer- oder Urlaubsfeeling auf, doch das meiste schien bereits so bekannt, gewohnt und vertraut. Mit meinem Boot bin ich nun zurückgekehrt in meine Jugend, es gibt vieles zu erleben, zu entdecken und Erfahrungen zu machen. Ist es nicht das was uns antreibt? Ist es nicht das was wir suchen? Ist nicht das eben diese Freiheit? Die Freiheit Neues zu sehen, Neues zu erleben und neue Erfahrungen zu machen. 

Ein Juwel zum Abschied!

Ich habe mir die Freiheit genommen mir Off-Shore ein neues Zuhause zu suchen.

Ich wünsche Euch allen das auch ihr eure Freiheit findet und bewahrt. 

 

Tight lines, Euer Chris

 

 

PS: Ein dickes Dankeschön an Andy und Basti von HZ, die diesen Trip mit ermöglicht haben!!!

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Kommentare: 14
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