- It's all about... the drive! -

@Sebastian Hottenrott


Die Rute pfeift ab, ich sitze senkrecht! Watstiefel, Zelttür, (Achtung!) rutschige Baumwurzeln und ein versucht koordinierter letzter Schritt die kleine Böschung runter. Außer Atem und mit Toastbrot-Knien stehe ich im Wasser. Adrenalin, Anspannung und Angst geben sich abwechselnd die Klinke in die Hand. Zurecht! Die letzten Monate klebte der Mist förmlich an meinen Ruten und Fingern zugleich. Oder war er etwa Nährboden meiner geistig nicht zu Ende gezündeten Hirngänge? Entscheidungen, die im Nachhinein betrachtet nicht wirklich entschieden wurden und ich mich damit zufrieden gab, daß ein halbgarer Brei meine Leibspeise sei. Shit happens?! Wie auch immer... der Fisch gibt Gummi, flüchtet ins Tiefe hinter der Krautbank. Langsam und mit dem nötigen, schon beinahe verlernten Druck, bekomme ich ihn Meter für Meter in Richtung Kescher. "In the net!" würde man jetzt (in England) schreien. Ich konnte nix von mir geben, auch kein Schrei. Nix! Ich war irgendwie nicht ganz bei mir. Gut, vielleicht ein leises Schnaufen, was sich später beim Hochtragen des kostbaren Gutes in ein lauter werdendes Grunzen entwickelte. Endlich mal ein Grunzen mit 'Happy End' – und nicht aus Ärger oder Frustration. Es ist ein Guter, mein dritter deutscher Fisch des letzten Jahres. Im letzten Herbst genau genommen! Ja, mein Dritter und nicht der 150igste take in der 180igsten Nacht. Tja, C'est la vie und im Großen und Ganzen umschreibt dies leider recht zutreffend meine letzte Saison 2017.

Abbinder: "Genießt die Zeit am Wasser, tight lines und alles Gute für 2018!" etc. pp. - fertig!


Spaß bei Seite, ich fang' mal am Anfang an...

Frühjahr:

Die jungen Monate des Jahres gestalteten sich an den heimischen Gewässern erneut trist und holprig.

 

Same procedure like every year: Im März und April wurde wie so oft fleißig daheim geblankt, bis es dann - wie fast jedes Jahr - im Mai nach Frankreich ging. Mit im Gepäck mein Freund Paddy und wieder hatte ich bzw. wir nur eine Woche Zeit. Diese sollte optimal genutzt werden und somit standen mehrere Gewässer, von Fluss bis Baggersee, auf unserer Agenda.

 

Gutes und ausreichend Futter, großer Strom, kleinere Baggerseen, bei Tag & Nacht - facettenreich und aktiv gestaltete sich der Trip.

 

 

Zwei Ruten fischte mein Freund Paddy aktiv auf Nacktschnecke. Karpfen fing er auf seinen zwei anderen Stöckern mit "Links".

 

 

Tagelang herrschte bei mir hingegen Flaute, bis der Knoten platzte: Letztes Gewässer, erster Morgen und alles schien für diesen Moment  wieder im Lot zu sein.

 

Doch viel mehr passierte am Ende dann doch nicht mehr. Auf der einen Seite war es ein rundum erlebnisreicher und sehr amüsanter Trip zugleich. Auf der anderen Seite war ich offen gesagt schon ein wenig über die magere Ausbeute - zumindest für meinen Part - enttäuscht.

 

Sommer:

 

"Quark", eine ganz gut zutreffende Beschreibung für meinen Sommer.

 

Die Enttäuschung zog sich leider fort und kein Fisch blieb an den heimischen Ufern hängen. Nichts wollte so richtig gelingen. Egal was ich mir vornahm und wie ich es versuchte. Rückwirkend reflektiert lag es ganz offensichtlich am "wie". Ich bereitete meine Sessions zwar wie sonst auch vor, doch fehlte es mehr und mehr an der angemessenen Muse und Konsequenz. Sicher auch ein Stück weit an

schlichtweg ausgelassen Details während meiner Angelei. "Wird schon reichen" war oft die Devise. Doch es reichte augenscheinlich nicht. Die Luft war raus, dafür die Aussteiger und

leider auch Abrisse drin. Wenig bis gar nichts wollte gelingen und wenn der Lauf endlich kam, konnte ich ihn letzten Endes nicht auswerten. Shit happens, Déjà vu 2.0.!? Wahrscheinlich, aber nicht zum x-ten Mal! "Es ist nur Angeln", ein Satz, den ich ab sofort von meinen Freunden und Kollegen sehr oft hörte. Ganz gleich, ob ernst, motivierend oder insgeheim Augen rollend daher gesagt war, gab ich mich damit auch "zufrieden". Und genau genommen hatten sie recht. In jeglicher Hinsicht...

 

 

Herbst:

Raues Wasser und feines Futter - in beiden Fällen reichlich davon. An sich genau mein Ding!

 

"Beste Zeit des Jahres, Herbstbullen oder Big-Fish-Time"... die Welle der alljährlich bekannten und euphorischen Synonyme Vieler. Meist tangiert und motiviert mich Derartiges nicht, versuche vielmehr autonom und subjektiv, wie auch zielstrebig zu sein bzw. zu bleiben. Doch zugegebenermaßen und bestimmt durch mein persönliches Umfeld bestärkt, packte sie mich diesmal offensichtlich und trug mich endlich wieder voran: Die Welle der Euphorie und des faktisch Möglichen.

 

Über einen langen Zeitraum investierte ich wieder Zeit und Futter konsequent ins Fischen. Der Knoten platzte bereits während der ersten session auf dem aufgebauten Spot. Große Freude!

 

 

Leidenschaft, Aktionismus und Optimismus trieben mich ab sofort wieder an. Endlich, wohlgemerkt. Aus der erdachten Theorie, was Gewässer, Platzwahl und Futterstrategie angeht, wurde rasch und vor allem konsequent Praxis. Im Endeffekt habe ich weder in Sachen Futter, Angelei oder gar Montagen viel umgestellt. Vielmehr die Passion und das Auge fürs Detail neu aktiviert.

 

Es lief rund! Auf einmal war alles scheinbar wieder so einfach. Auch wenn ich nur ca. alle drei Wochen Angeln gehen konnte, blieb mindestens immer einer hängen.

 

Unbekannt, markant und elegant. Endlich hielt ich wieder einen der vielen Gründe - warum ich so gern hier bin und die eigene Angelei ungestört frei entfalten kann - in den Armen.

 

 

Ist all dies tatsächlich „nur Angeln“? Karpfenangeln scheint oft mehr zu sein, als wir erwarten und teils aushalten wollen. Es kann vermeintlich schwierig, verbissen und fast schon lästig sein. Auf der anderen Seite einfach, entspannt und erfüllend zugleich. Schlussendlich hat jeder bestimmt sein eigenes Rezept dafür, mit seinen Emotionen und herrschenden Umständen umzugehen, um gewisse Dinge wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Und ist der besagte Knoten erst mal geplatzt, ist „er“ sicher auch nicht mehr allzu lang abstinent, sondern fortan treuer und Glück bringender Begleiter am Wasser zugleich: It´s all about the „drive“!

 

VG Sebastian

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Paddy (Donnerstag, 24 Mai 2018 15:12)

    Hotte, super Artikel! Denk dran, "es ist nur Angeln"! :P